Galop
de Porc

Bremer Galopprennbahn aktiv mitgestalten

Aufruf zur Zwischennutzung der ehemaligen Rennbahn

Für die Fläche der ehemaligen Rennbahn können ab sofort Vorschläge und Konzepte zur Umsetzung von Ideen und Projekten eingereicht werden. Dabei müssen die Nutzungen und Projekte zeitlich befristet sein, sich wieder abbauen lassen und sollten eigenständig umsetzbar sein.

Das Areal umfasst knapp 30.000 Quadratmeter Freifläche ohne nennenswerte Bebauung. Willkommen sind Interessent*innen aus dem gesamten Bremer Stadtgebiet und auch darüber hinaus. Genauere Informationen zum Ablauf und den Kriterien finden sich unter die Zwischennutzung.

Warum eigentlich Galop de Porc?

Galop-de-porc heißt ins deutsche übersetzt Schweinsgalopp und steht umgangssprachlich für einen schnellen Ablauf oder Verlauf. Es können im Rahmen der Zwischennutzung Ideen im “Schweinsgalopp” umgesetzt werden, ohne dass ein langwieriger Entscheidungsprozess abgewartet werden muss.

Organisation der Zwischennutzung

Die Zwischennutzung auf der Rennbahn wird durch die ZZZ – ZwischenZeitZentrale Bremen organisiert.

Die Möglichkeit zur Zwischennutzung der Rennbahn besteht für den Zeitraum bis zum Beschluss einer finalen langfristigen Planungen durch den Runden Tisch.

Die ZZZ unterstützt, begleitet und betreut die Zwischennutzungen über ihren gesamten Zeitraum. Alle Ideen und Vorschläge werden von der ZZZ geprüft und angehört. Die Entscheidungen erfolgen auf Basis abgestimmter Kriterien.

Geschichtliche Details

Nachdem der Pferderennsport im 19. Jahrhundert in Bremen noch auf provisorischen Bahnen stattfanden, wurde von 1905 bis 1907 die Galopprennbahn in der Vahr mit Tribüne und Restaurant als fester Veranstaltungsort errichtet. Die Anlage des Bremer Rennvereins galt als eine der modernsten zu dieser Zeit.

Ihr heutiges Erscheinungsbild erhielt die Galopprennbahn nach Bränden, Renovierungen und Umbauten schließlich 2005 mit dem Bau des Atlantic Hotels und der Ansiedlung des Golfplatzbetreibers GolfRange. Auf der Tribüne konnten bis zu 1.000 Zuschauer die Rennen verfolgen und auf den benachbarten Rasenflächen war zudem Platz für viele weite Besucher*innen. Das letzte Rennen auf der Anlage fand an Karfreitag 2018, dem 30. März. statt.

2016 beschloss der Senat der Freien Hansestadt Bremen das Gelände für eine Wohnbebauung mit ca. 1.000 Wohnungen umzuwidmen. Dies nahm Überlegungen der Neuen Heimat aus den 60er Jahren wieder auf. In der Folge wurde dem Rennverein nur noch eine Zwischennutzung des Geländes in Aussicht gestellt und die Golf Range für den vorzeitig gekündigten Pachtvertrag entschädigt. Hiergegen regte sich Widerstand der 2019 in einem Bürgerentscheid über die zukünftige Nutzung mündete. Mit der Entscheidung für ein Ortsgesetz, das eine Nutzung zu den Zwecken der Kultur, Freizeit, Natur und des Sports vorsieht, endete der Bürgerentscheid.

Mit Blick auf die jetzige Zwischennutzung und der Entwicklung langfristiger Ideen lohnt zudem ein Blick in die Vergangenheit der Rennbahn. Diese wurde immer wieder auch für andere Zwecke als ihrem ursprünglichen Bauzweck genutzt. So war während der Weltkriege und nach ihrem Ende nicht an Pferderennen zu denken. Vielmehr wurde nach Ende des zweiten Weltkrieges die Tribüne abgerissen um dringend benötigtes Brennholz zu gewinnen. Das Gelände der Rennbahn diente aber vor allem auch für verschiedene andere Veranstaltungen als dem Pferderennsport. So fand hier rund um die 2000er Jahre das Familienfestival „Happy Family“ statt. 1996 traten unter anderem die Backstreet Boys zu auf der Galopprennbahn auf, bis zu 100.000 Tausend Menschen kamen zu diesem Event. Und auch zur WM 2014 fand auf dem Areal ein Public Viewing statt.

Mit Beschluss vom 25.09.2019 soll ein Runder Tisch, unter Vorsitz der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau, moderiert durch Simone Neddermann und Prof. Dr. Klaus Selle, für die langfristige Nutzung des Geländes eine Lösung finden.

Struktur des Geländes

Die Galopprennbahn liegt im Bremer Osten eingebettet zwischen den Stadtteilen Neue Vahr und Sebaldsbrück. Die Ludwig-Roselius-Allee begrenzt die Rennbahn gen Süden, die Wilhelm-Busch-Siedlung nach Osten. In Richtung Norden liegt zwischen der Neuen Vahr Süd und der Rennbahn ein kleines Waldstück und wirkt dadurch als natürliche Begrenzung der Rennbahn.

Gliederung der Galopprennbahn

Das Gelände gliedert sich grob in 5 Teilbereiche.

  1. Der Bereich der ehemaligen GolfRange mit den Übungsflächen zwischen Gebäude und Fangzäunen. Diese sind relativ eben. Bei starkem Niederschlag sind diese für Veranstaltungen teilweise nicht nutzbar.
  1. Der Bereich des Golfplatzes (9 Loch Anlage). Dieser ist durch eine sanft hügelige Topographie charakterisiert, welche von Wasserläufen und Wasserflächen durchzogen wird und über den einzigen Bestand von Bäumen und Sträuchern auf dem Areal verfügt.
  1. Der Bereich der Galopprennbahn und der Hindernisbahn. Dieser Bereich ist umlaufend um die gesamte Fläche. Die einzelnen ehemaligen Rennbahnen sind jeweils ca. 20m breit. Die Bahnen werden durch Geländer voneinander und nach innen und außen abgegrenzt. Die äußere Bahn wird regelmäßig gemäht und ist gut begeh- und befahrbar.
  1. Der Bereich der historischen Tribüne und Nebenanlagen, wie eine gepflasterte Aufstellfläche für Zelte. Die Tribüne ist aufgrund von Baufälligkeit und statischer Probleme für die Öffentlichkeit gesperrt. Vor der Tribüne befindet sich eine zur Rennbahn abfallende Rasenfläche.
  1. Das Gebäude der ehemaligen Golf-Range ist das einzige Gebäude auf dem Gelände. Hier sind sowohl Infrastrukturen (Strom, Wasser) zu finden, wie auch Lagerräume, Toiletten, ein Büro sowie ein Besprechungsraum. Das Gebäude soll für alle Zwischennutzer*innen zugänglich sein, dies schließt eine exklusive Nutzung aus.
bersicht Galopprennbahn 06.072020

Zugänglichkeit

Das gesamte Gelände ist von einem Zaun umschlossen. Zugänglich ist es momentan über die ehemalige Zufahrt zu den Parkplätzen der GolfRange und über eine zweite Zufahrt östlich des Gebäudebestands jeweils an der Ludwig-Roselius-Allee. Weitere Zugänge existieren momentan nicht, bzw. sind verschlossen. Die Zugänglichkeit für die Zwischennutzer*innen und Besucher*innen der Zwischennutzungen wird über diese Zugänge gewährleistet. Eine vollumfängliche, generelle Zugänglichkeit der Fläche ist momentan noch nicht geplant.

Die Zwischennutzung

Aufgerufen zur Zwischennutzung auf der Fläche ist jede*r. Ausgefallene Ideen sind genauso erwünscht wie naheliegende Nutzungszwecke. Wichtig ist, dass sich die Nutzungs- und Projektvorschläge an dem hier vorliegenden Kriterienkatalog orientieren und eigenständig umgesetzt und betreut werden.

Ablauf

Begehungen und Besichtigungen auf dem Areal, Informationsweitergabe, Austausch der Nutzer*innen untereinander, die aktuellen Termine werden unter Besichtigungen angezeigt

Einreichung der Zwischennutzungsideen über das Beteiligungsformular oder separat über ein pdf. Es können nur vollständige Unterlagen berücksichtigt werden. Falsche Angaben führen zu einem Ausschluss. Es besteht kein Anspruch auf die Vergabe einer Fläche, das Vergaberecht findet keine Anwendung. Ein erster Aufruf läuft bis zum 20. Juli 2020, Ideen können aber auch danach laufend eingereicht werden

Die vollständigen Unterlagen werden durch die ZZZ gesichtet, gegebenenfalls gibt es Rückfragen und Rückkopplung zu den Ideen. Die Auswahl der Zwischennutzer*innen erfolgt auf Basis des Kriterienkatalog in Rücksprache mit der Lenkungsgruppe der ZZZ

Mit den Zwischennutzer*innen wird die konkrete Projektumsetzung besprochen, es werden mögliche Auflagen und Genehmigungsfragen geklärt. Schließlich wird ein Zwischennutzungsvertrag geschlossen, der die Übernahme von Verantwortung, Aufgaben und Pflichten für die Zwischennutzung umfasst. 

Start der ersten Zwischennutzungen ab dem 30. August 2020

Die ZZZ unterstützt die Zwischennutzer*innen in der Umsetzung ihrer Projektideen, dem Einholen von Genehmigungen und der Erfüllung von Auflagen und ist Ansprechpartnerin zu den Institutionen im Stadtteil und der Verwaltung.

Kriterienkatalog Zwischennutzungen auf dem ehemaligen Galoppbahn-Areal

  • Zwischennutzungen dürfen die noch zu erarbeitenden langfristigen Ideen und Planungen des Runden Tisches nicht verhindern oder einschränken
    • eingebrachte Bauten und Projekte müssen mobil und / oder abgebaut werden können
    • Projekte mit einem längeren Nutzungszeitraum müssen an den Runden Tisch gestellt werden, bzw. werden an diesen verwiesen
  • Zwischennutzungen müssen untereinander funktionieren und keine anderen Nutzungen ausschließen
    • freier Zugang zu Infrastrukturen für alle Nutzer*innen, keine Blockaden von Wegen und Zugängen
    • kooperative Nutzung von Infrastrukturen und gegenseitige Unterstützung, Abstimmung von Veranstaltungen
  • Zwischennutzungen, die Angebote für die Anwohner*innen in der Nachbarschaft anbieten, sind zu bevorzugen
    • neue Angebote für die Nachbarschaft,
    • Zugänglichkeit des Areals ermöglichen und nutzbar machen
    • Kooperationen mit Institutionen und Einrichtungen in der direkten Nachbarschaft anstreben
  • Zwischennutzungen müssen einen Mehrwert für die gesamte Nutzung besitzen / offen für weitere Nutzer*innen sein
  • Zwischennutzungen auf dem Areal unterstützen sich gegenseitig
  • Zwischennutzungen erlauben die Inanspruchnahme durch Bürger*innen, die alleine keine Möglichkeit der Nutzung hätten
  • Nutzungen auf dem Areal geben Input und Ideen für die langfristige Nutzung des Areals
  • Zwischennutzungen mobilisieren Bürger*innen an der Planung für das Areal teil zu haben
  • innovative Initiativen sind besonders erwünscht
    • Galopprennbahn als Experimentierfeld für neue Zwischennutzungen und Ideen nutzen
    • Bremer Osten für Ideen weiter aufschließen
    • Testphase für ungewöhnliche innovative Ideen und Projektideen, die sich auch an anderer Stelle langfristig realisieren lassen
  • Vorgaben zur Nutzung des Areals müssen eingehalten werden
    • Übernahme der laufenden Kosten / Leistung einer Pacht bei kommerziellen Aktivitäten (z.B. Festivals, Konzerte, etc.) durch die Nutzer*innen
    • Finanzierung der Vorhaben durch die Zwischennutzer*innen
    • Verkehrssicherung für die genutzte Fläche und eingebrachte Anlagen, Verantwortung für die eigenen Veranstaltungen, etc.
    • pfleglicher Umgang mit Nutzungsgegenstand, Rückbau eingebrachter Anlagen
    • Berücksichtigung des Umwelt- und Biotop- sowie des Lärmschutzes

Besichtigungen

Am 21. Juli 10 Uhr und am 24. Juli 18 Uhr, bieten wir kurzfristig zwei Begehungen des Rennbahngeländes an. Aufgrund der aktuellen Covid-19 Situation und zur besseren Planung bitten wir Sie sich per Email unter galopdeporc@zzz-bremen.de anzumelden. Wir würden Sie ebenfalls bitten, zu Ihrer Sicherheit eine Mund-Nasenabdeckung mitzuführen. 

Treffpunkt ist jeweils am Eingang der Rennbahn an der Ludwig-Roselius-Allee. Hier der Übersichtsplan.

Wir werden in den kommenden Wochen zeitnah weitere Besichtigungstermine bekannt geben.

Zukünftige Entwicklung der Rennbahn

Die Zwischennutzung der Rennbahn ist in einen langfristigen Prozess eingebettet. Auf Basis des beschlossenen Ortsgesetztes erarbeitet der Runde Tisch Galopprennbahn in einem Beteiligungsprozess die langfristige Nutzung des Areals. Dieser Runde Tisch ist mit Vertreter*innen der beteiligten senatorischen Ressorts, der lokalen Wirtschaft, der Bürgerinitiative, Vertreter*innen der lokalen politischen Repräsentanten und der Ortsämter, sowie weiterer Interessensverbände und Initiativen besetzt.

Der Runde Tisch entscheidet nicht über die Zwischennutzungen auf dem Rennbahngelände. Diese werden in der etablierten Lenkungsgruppe der ZZZ besprochen und verabschiedet und dem Regionalausschuss Galopprennbahn zur Kenntnisnahme und Rückkopplung vorgelegt. Der Regionalausschuss Galopprennbahn setzt sich aus Vertreter*innen der Beiräte Vahr und Hemelingen zusammen und begleitet als lokales, politisch legitimiertes Gremium die Entwicklungen auf dem Rennbahngelände und hat sich im Zuge des Beschlusses zur Bebauung der Galopprennbahn konstituiert.

Die Zwischennutzungen und der Runde Tisch agieren auf unterschiedlichen Zeit- und Zielschienen (kurz- und langfristig), stehen aber in laufendem Kontakt. So werden Interessent*innen und Projekte an die jeweils passendere Stelle verwiesen. Für Zwischennutzung gilt, dass sie natürlich im Rahmen der definierten Kriterien funktionieren müssen. Wenn sie allerdings in die langfristige Perspektive für das Areal passen, dann können sie sich gegebenenfalls verstetigen (zu den Konditionen einer langfristig gesicherten Perspektive).

Beteiligungsformular

Bitte füllt dieses Formular sorgfältig aus. Bei Fragen steht die ZZZ immer zur Verfügung. Der Umgang mit Euren Ideen und der Ablauf hin zur Umsetzung der einzelnen Zwischennutzung auf dem Gelände ist unter Die Zwischennutzung genau ausgeführt.

Lieber kein Google Forms? Dann gibts das Formular auch als PDF.